Jedem ist klar, dass es verschiedene Siebträgermaschinen gibt – zumindest oberflächlich. Während günstige Einsteigermodelle oft mit Plastik und schwachen Pumpen daherkommen, kann es bei der Rocket Appartamento gar nicht luxuriös genug zugehen – weder beim Design noch bei der Verarbeitung. Und doch bleibt sie kompakt genug für normale Küchen.
Wortwörtlich meint „Appartamento“ Wohnung – also eine Espressomaschine für zu Hause, nicht für die Bar. Übertragen meint es auch, dass diese italienische Schönheit aus Mailand beweist: Professionelle Qualität muss nicht riesig und teuer sein.
Ihr wollt wissen, ob diese handgefertigte Siebträgermaschine das Richtige für euch ist? Das finden wir in diesem Ratgeber heraus.
Übrigens: Die Rocket Espresso Appartamento ist nicht umsonst seit Jahren ein Bestseller. Sie verbindet italienisches Design mit einer E61 Brühgruppe – einer Erfindung von Faema aus den 1960ern, die bis heute als Goldstandard gilt. Und wenn ihr bereits wisst, wie sich Zweikreiser Siebträger von Einkreisern unterscheiden, werdet ihr die Eleganz dieser Lösung erst recht schätzen.
Die Rocket Appartamento Siebträgermaschine im Detail
Die Rocket Appartamento Siebträgermaschine ist im Kern eine Wärmetauscher-Espressomaschine mit E61 Brühgruppe – was zunächst nach technischem Kauderwelsch klingt, ist tatsächlich genial einfach. Ihr habt einen 1,8-Liter-Kupferkessel, der ständig heißes Wasser für die Dampflanze bereithält. Durch diesen Kessel läuft ein kleinerer Wärmetauscher, der frisches Wasser auf Brühtemperatur bringt.
Das bedeutet konkret: Ihr könnt Espresso brühen und gleichzeitig Milch aufschäumen – perfekt für Cappuccino und Latte Macchiato. Bei Einkreisern müsstet ihr dagegen warten, bis die Maschine von Brüh- auf Dampftemperatur umgeschaltet hat. Nervt auf Dauer, glaubt mir.
Technisch bringt die Rocket Appartamento etwa 1.200 bis 1.350 Watt Leistung mit und wiegt stolze 20 Kilogramm – das ist kein Leichtgewicht, das beim Tampern über die Arbeitsplatte rutscht. Die Maße liegen bei etwa 27 cm Breite, 42 cm Tiefe und 36 cm Höhe. Passt also auch in kompaktere Küchen, solange ihr nach hinten genug Platz für den Wassertank lasst.
Alle Modellvarianten der Rocket Appartamento im Überblick
Die klassische Rocket Appartamento: Das Original
Die klassische Rocket Appartamento gibt es seit vielen Jahren – und sie ist ein echter Evergreen. Das Basismodell kommt mit der legendären runden E61 Brühgruppe, einem analogen Manometer und mechanischen Kippschaltern. Kein Schnickschnack, dafür pure Funktionalität im zeitlosen Design. Farblich habt ihr die Wahl zwischen Schwarz, Weiß, Kupfer und Edelstahl. Das ist zwar nicht besonders innovativ. Aber das halte ich für deutlich besser als unnötige Spielereien, die nur die Reparaturanfälligkeit erhöhen.
Die Rocket Appartamento 2.0: Bewährtes mit Updates
Die Rocket Appartamento 2.0 ist das neueste Modell (Stand 2025) und bringt ein paar clevere Verbesserungen mit. Die Tropfschale ist endlich größer geworden – ein echter Segen, wenn ihr mehrere Bezüge hintereinander macht. Außerdem gibt es jetzt RGB-LEDs zur Statusanzeige und einen verbesserten Rahmen. Die Technik im Inneren bleibt aber weitgehend gleich, was auch gut so ist. Warum etwas ändern, das funktioniert?
Die Rocket Appartamento TCA: Die Weiterentwicklung
Dann gibt es noch die Rocket Appartamento TCA – und die ist quasi das schwarze Schaf der Familie. TCA steht für „Thermo-Kreislauf-Adjustment“, also eine aktive Temperatursteuerung. Das markanteste Merkmal ist aber die kantige E61 Brühgruppe und das komplette Redesign des Gehäuses mit abgerundeten Ecken. Optisch ein Statement, technisch eine Weiterentwicklung für alle, die maximale Temperaturstabilität wollen.
Technische Highlights der E61 Brühgruppe und des Wärmetauschers
Die E61 Brühgruppe ist so etwas wie das Herz jeder guten Siebträgermaschine – und das seit über 60 Jahren. Sie wurde 1961 entwickelt, daher auch der Name, und ist bis heute konkurrenzlos, wenn es um Temperaturstabilität geht. Das Besondere: Die Gruppe wird nicht nur vom Wasser durchflossen, sondern ist thermisch mit dem Kessel verbunden. Sie heizt sich also von selbst auf und hält die Temperatur konstant.
Praktisch bedeutet das für euch: Kein Temperatursurfen nötig, wie es bei vielen günstigeren Einkreisern der Fall ist. Die E61 liefert Shot für Shot gleichbleibende Ergebnisse. Außerdem könnt ihr die Brühgruppe vorwärmen, indem ihr einen Leerbezug macht – das Wasser spült dann die komplette Gruppe durch. Das ist zwar eine kleine Geste. Aber sie macht den Unterschied zwischen mittelmäßigem und gutem Espresso aus.
Der Wärmetauscher selbst ist ein Kupferrohr, das durch den Hauptkessel läuft. Wenn ihr den Brühhebel betätigt, fließt frisches Wasser aus dem 1,9-Liter-Tank durch dieses Rohr und nimmt dabei Wärme auf. Der Clou: Je länger das Wasser im Wärmetauscher steht, desto heißer wird es. Deshalb solltet ihr vor jedem Bezug einen kurzen „Cooling Flush“ machen – einfach 1-2 Sekunden Wasser durchlaufen lassen, um überheiztes Wasser auszuspülen. Das klingt kompliziert. Aber nach zwei Wochen ist es automatisch zur Routine geworden.
Perfekter Espresso und Milchschaum mit der Rocket Appartamento
Jetzt wird’s praktisch. Denn die beste Technik nützt nichts, wenn ihr nicht wisst, wie ihr sie richtig einstellt. Die gute Nachricht: Die Rocket Espresso Appartamento ist ziemlich gutmütig und verzeiht kleinere Fehler. Trotzdem lohnt es sich, die Parameter zu kennen.
Grundsätzlich gilt: Ein perfekter Espresso braucht etwa 25-30 Sekunden Bezugszeit für einen 25-30 ml Shot. Das Verhältnis von Kaffeemehl zu Getränk liegt idealerweise bei 1:2, also aus 15 Gramm Kaffee werden 30 ml Espresso. Klingt simpel, ist in der Praxis aber eine Wissenschaft für sich. Und genau das macht den Reiz aus.
Der größte Fehler, den Einsteiger machen? Sie unterschätzen den Mahlgrad. Eure Kaffeemühle ist mindestens genauso wichtig wie die Espressomaschine selbst – wenn nicht sogar wichtiger. Für die Rocket Appartamento braucht ihr einen sehr feinen Mahlgrad, deutlich feiner als für Filterkaffee. Investiert hier lieber etwas mehr Geld. Das zahlt sich direkt in der Tasse aus.
Einstellungen für optimalen Brühdruck und Temperatur
Werksseitig kommt die Rocket Appartamento mit etwa 9 Bar Brühdruck – das ist der Standardwert für Espresso. Über das Manometer an der Front könnt ihr den Druck während des Bezugs ablesen. Aber Achtung: Das Manometer zeigt nicht den tatsächlichen Brühdruck am Kaffeepuck, sondern den Pumpendruck. Der reale Druck am Sieb liegt etwas niedriger. Das ist zwar verwirrend. Aber es erklärt, warum eure Shots manchmal anders schmecken als erwartet.
Den Kesseldruck könnt ihr über das Pressostat einstellen – das ist dieser runde Kasten auf dem Kessel. Ein Druck von 0,9 bis 1,1 Bar ist ein guter Kompromiss. Bei 0,9 Bar liegt eure Brühtemperatur etwa bei 88-90°C, bei 1,1 Bar eher bei 92-94°C. Dunklere Röstungen mögen es tendenziell kühler, hellere Röstungen heißer. Hier müsst ihr experimentieren – und genau das ist der Spaß an der Sache.
Bei der TCA-Version ist das Ganze noch cleverer gelöst: Wenn die Lampe rot blinkt, könnt ihr durch kurzes Ziehen des Bezugshebels den Druck erhöhen. Einmal Blinken = 0,9 Bar, zweimal = 1,0 Bar, dreimal = 1,1 Bar. So könnt ihr die Temperatur für unterschiedliche Bohnen anpassen, ohne am Pressostat zu schrauben. Praktisch, oder?
Milchschaum-Perfektion mit der professionellen Dampflanze
Die Dampflanze der Rocket Appartamento ist ein echtes Powerhouse. Mit 1,8 Litern Kesselvolumen habt ihr genug Reserve für mehrere Cappuccinos hintereinander – das ist zwar nicht besonders innovativ, aber absolut zuverlässig. Die Lanze hat eine 4-Loch-Düse, die ordentlich Dampf macht. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Meine Technik für perfekten Milchschaum: Milchkännchen etwa ein Drittel mit kalter Vollmilch füllen, Dampflanze kurz öffnen um Kondenswasser abzulassen, dann die Düse knapp unter die Oberfläche halten. Ihr hört ein zischendes Geräusch – das ist die „Ziehphase“, in der Luft eingearbeitet wird. Nach etwa 3-5 Sekunden das Kännchen absenken, sodass die Düse tiefer eintaucht.
Jetzt beginnt die „Rollphase“: Die Milch sollte in einer kreisenden Bewegung rotieren. Das verteilt die eingearbeitete Luft gleichmäßig und sorgt für cremigen Mikroschaum. Wenn das Kännchen handwarm wird – etwa 60°C – seid ihr fertig. Lanze abdrehen, mit einem feuchten Tuch abwischen und nochmal kurz Dampf geben. So bleibt sie sauber und einsatzbereit.
Kaufberatung und Wartung für langfristige Freude
Die Rocket Appartamento liegt preislich zwischen 1.500 und 2.000 Euro, je nach Modellversion und Ausstattung. Das ist nicht wenig Geld. Die Frage ist also: Für wen lohnt sich die Investition? Und für wen nicht?
Was Sie vor dem Kauf der Rocket Espresso Appartamento wissen sollten
Das Wichtigste auf einen Blick
Wenn ihr ein bis drei Kaffeespezialitäten am Tag trinkt und Wert auf Design und Qualität legt, ist die Appartamento eine Anschaffung fürs Leben. Die Maschine ist so robust gebaut, dass sie problemlos 15-20 Jahre durchhält – bei entsprechender Pflege. Rechnet man das runter, zahlt ihr etwa 7-10 Euro pro Monat. Weniger als zwei Cappuccinos in der Bar.
Nicht geeignet ist die Maschine für absolute Kaffee-Gelegenheitstrinker. Wenn ihr nur am Wochenende mal einen Espresso trinkt, ist eine Siebträgermaschine generell die falsche Wahl. Sie braucht Zeit zum Aufheizen – 20-30 Minuten – regelmäßige Nutzung und Pflege. Für Gelegenheitstrinker sind Vollautomaten oder gute Espressokocher die bessere Wahl. Das ist zwar nicht das, was ihr hören wollt. Aber es ist ehrlich.
Weitere wichtige Überlegungen
Erstens: Ihr braucht eine gute Kaffeemühle. Punkt. Ohne vernünftige Mühle wird auch die beste Siebträgermaschine keinen guten Espresso zaubern. Rechnet nochmal 300-800 Euro für eine Mühle mit ein. Modelle wie die Eureka Mignon oder Baratza Sette sind solide Einstiegsgeräte. Das ist zwar eine zusätzliche Investition. Aber sie ist absolut notwendig.
Zweitens: Plant genug Platz ein. Die Maschine selbst ist zwar kompakt, aber ihr braucht Arbeitsfläche zum Tampern, Platz für die Mühle und idealerweise ein Abtropfgitter oder eine Knockbox für den Kaffeesatz. Mindestens 80 cm Breite sollten es schon sein – besser mehr. Schnappt euch daher ein Maßstab und messt eure Arbeitsplatte aus, bevor ihr bestellt.
Drittens: Überlegt euch, ob die Standard-Appartamento reicht oder ob ihr zur TCA-Version greifen wollt. Die Temperaturregelung ist nice to have, aber kein Muss. Viele Barista-Profis kommen seit Jahrzehnten perfekt mit dem klassischen Modell klar. Alternativ könnt ihr euch auch die Rocket Mozzafiato anschauen – die hat einen PID-Controller für noch präzisere Temperatursteuerung. Oder ihr werft einen Blick auf die Lelit Mara X, die ebenfalls ein Wärmetauscher-System mit cleverer Temperaturregelung bietet. Das Angebot ist größer, als viele denken.
Reinigung, Entkalkung und Pflege Ihrer Siebträgermaschine
Tägliche Routine: Das Minimum
Nach jeder Nutzung den Siebträger ausklopfen, mit heißem Wasser ausspülen und die Brühgruppe mit einem Blindsieb und Reinigungspulver rückspülen. Das dauert zwei Minuten, verhindert aber Kaffeeöl-Ablagerungen. Die Dampflanze nach jedem Milchschaum mit feuchtem Tuch abwischen – sonst brennt die Milch ein und wird ranzig. Das ist zwar lästig. Aber es ist deutlich besser als eine verklumpte Lanze, die ihr später mit Gewalt reinigen müsst.
Wöchentliche Pflege: Die Tiefenreinigung
Einmal pro Woche solltet ihr eine gründliche Rückspülung mit Reinigungsmittel machen. Blindsieb einsetzen, Reinigungspulver rein, Hebel betätigen bis Druck aufbaut, dann Hebel zurück. Das Ganze 5-6 Mal wiederholen, dann mit klarem Wasser nachspülen. Die Brühgruppe wird’s euch danken – mit gleichbleibend guten Shots.
Entkalkung der Espressomaschine: Das große Ritual
Hier scheiden sich die Geister. Bei weichem Wasser reicht es, einmal im Jahr zu entkalken. Bei hartem Wasser solltet ihr alle 3-4 Monate ran. Verwendet speziellen Entkalker für Espressomaschinen, keine Hausmittel! Zitronensäure kann Dichtungen angreifen. Der Entkalkungsprozess dauert etwa 30-45 Minuten – nehmt euch Zeit dafür und folgt genau der Anleitung. Das ist zwar aufwendig. Aber es verlängert die Lebensdauer eurer Maschine um Jahre.
Noch ein Tipp: Wenn ihr die Maschine länger nicht benutzt – Urlaub, Geschäftsreise, was auch immer – lasst den Kessel komplett leer laufen und entfernt den Wassertank. So vermeidet ihr Biofilm-Bildung und Korrosion. Bei der Wiederinbetriebnahme dann einfach mehrmals durchspülen, bevor ihr den ersten Espresso brüht.
Die Rocket Appartamento ist keine Maschine für Leute, die morgens auf den Knopf drücken und fertig. Sie ist für alle, die Kaffee als Ritual verstehen – als täglichen Moment der Entschleunigung. Und dafür bekommt ihr eine Espressomaschine, die nicht nur technisch überzeugt, sondern auch noch verdammt gut aussieht. Das ist zwar nicht für jeden das Richtige. Aber für alle, die es verstehen, ist es die perfekte Wahl.


